Tischtennis-Regionalligist gewinnt 8:3 gegen VfL Tegel und ist wieder Tabellenführer
In Topform: Marßels Jennifer Bienert blieb im Einzel weiterhin ungeschlagen und war maßgeblich am 8:3-Heimerfolg gegen VfL Tegel beteiligt.


Marßel. Die SG Marßel mischt die Tischtennis-Regionalliga Nord der Frauen auf. Mit einem unerwartet deutlichen 8:3-Heimsieg über den favorisierten VfL Tegel hat sich die Mannschaft von Trainer Thomas Bienert wieder an die Tabellenspitze gesetzt. Aus dem Marßeler Quartett ragte in der Lands­kronahalle Bienerts Tochter Jennifer heraus, die ihre drei Einzel sowie das Doppel an der Seite von Jessica Boy gewann.

Eigentlich hält sich Thomas Bienert mit Lob für die eigene Tochter zurück. Nach dem erfolgreichen Match gegen die Berlinerinnen aber schwärmte er: „Das war eine bärenstarke Vorstellung von Jennifer.“ Vor allem im letzten Spiel des Tages präsentierte sich Marßels Nummer drei gegen Tegels Beste Alina Shovorak in blendender Verfassung. Hatte die Berlinerin zuvor sowohl Marßels Spitzenspielerin Elina Vakhrusheva (3:1) als auch der an Position zwei spielenden Katarina Belopotocanova (3:1) mit knallharten Schlägen keine Chance gelassen, so stand sie gegen eine hoch konzentriert agierende Jennifer Bienert auf verlorenem Posten. Die Nummer drei der SGM zeigte eine ganz starke Leistung und fertigte Shovorak mit 3:1 Sätzen ab. Thomas Bienert nach zweieinhalb Stunden Tischtennis in der Landskronahalle: „Jenni war heute die Matchwinnerin.“

Weitere Pluspunkte sammelte Jennifer Bienert im zweiten Doppel an der Seite von Jessica Boy (3:0 gegen Alina Shvorak/Alexandra Krenitz) sowie in den Einzeln gegen Tegels Nummer vier, Krenitz (3:1), sowie gegen die Nummer drei des VfL, Lisa-Sophie Steinhäuser (3:1).

Thomas Bienert hatte sich vor Spielbeginn einen Pluspunkt in den beiden Doppeln erhofft, um dann am Ende ein Remis gegen die Berlinerinnen zu erreichen. Nachdem aber Elina Vakhrusheva und Katarina Belopotocanoven ihre Partie gegen Sarah-Madeleine Schrödte (Nummer zwei) und Lisa-Sophie Steinhäuse (Nummer drei) „in einer engen Kiste“ mit 12:10, 12:10 und 11:9 den erwarteten Grundstein gelegt hatten, kamen die Nordbremerinnen immer besser ins Rollen. So ließen Vakhrusheva (3:0 gegen Schrödter), Belopotocanova (3:1 gegen Schrödter) und Jessica Boy gegen Krenitz (3:0) nichts mehr anbrennen. Zuvor hatte Boy (Marßels Nummer vier) gegen Steinhäuser nach zwei gewonnenen Sätzen noch 2:3 verloren und damit den Gästen den dritten Punkt gegönnt.

Der VfL Tegel gehört zwar zu den Regionalliga-Teams, die mit dem Abstieg nichts zu tun haben dürften, präsentierte sich aber nach den Worten von Thomas Bienert in der Landskronahalle keineswegs als Supertruppe. Das lag freilich auch daran, dass seine Tochter einen Supertag erwischt hatte. In ihren bisherigen Einzeln in dieser Saison ist sie noch ungeschlagen (12:0).

Überhaupt haben die Marßelerinnen in ihren ersten acht Spielen eine überraschend positive Rolle gespielt. Das Nachsehen hatte das Marßeler Team bislang nur gegen den Meisterschaftsfavoriten Füchse Berlin. Am 14. Oktober handelte sich die Sportgemeinschaft in eigener Halle eine deutliche 1:8-Abfuhr ein.

Seit Sonnabend aber grüßt das Bienert-Team wieder von der Tabellenspitze. Zumindest bis zum 2. Dezember. Dann wollen die Füchse vier Punkte gegen Prenzlau und Schnelsen einfahren. Sollte die SG Marßel gleichzeitig beim Tabellensechsten Niedorfer SV gewinnen, würde der Zweikampf mit den Hauptstädterinnen andauern.

SG Marßel – VfL Tegel 8:3: Vakhrusheva/Belopotocanova – Schrödter/Steinhäuser 3:0 (12:10, 12:10, 11:9); Bienert/Boy – Shvorak/Krenitz 3:0 (11:9, 13:11, 11:5); Vakhrusheva – Schrödter 3:0 (11:7, 11:6, 11:4); Belopotocanova – Shvorak 1:3 (10:12, 4:11, 11:8, 6:11), Bienert – Krenitz 3:1 (11:9, 9:11, 11:6, 11:6); Boy – Steinhäuser 2:3 (11:6, 11:8, 7:11, 5:11, 8:11), Vakhrusheva – Shvorak 1:3 (7:11, 11:8, 9:11, 8:11), Belopotocanova – Schrödter 3:1 (13:11, 7:11, 11:4, 11:9), Bienert – Jennifer Steinhäuser 3:1 (11:8, 10:12, 11:6, 11:6); Boy – Krenitz 3:0 (11:8, 11:4, 11:3), Bienert – Shvorak 3:1 (11:3, 11:7, 10:12, 11:8) GRU

Aus "Die Norddeutsche" vom 20.11.2017

Regionalliga-Damen der SG Marßel gewinnen beim 8:0 gegen Vorletzten TSV Watenbüttel alle Fünf-Satz-Matches

Katarina Belopotocanova war im Doppel und im Einzel an Fünf-Satz-Siegen der SG Marßel beteiligt.

Marßel. Die Tischtennis-Spielerinnen der SG Marßel haben ihre Aufgabe in der Regionalliga Nord gegen den abstiegsbedrohten TSV Watenbüttel mit Bravour gemeistert. Dank eines 8:0-Sieges über den Vorletzten kletterten die Nordbremerinnen zumindest für einen Tag auf Platz eins. „Wir waren für eine Nacht Tabellenführer. Das hatten wir zuvor noch nie“, stellte SG-Trainer Thomas Bienert fest.

„Das Match hätte genauso gut auch 4:4 ausgehen können.“ SGM-Trainer Thomas Bienert.

Der deutliche Erfolg täuschte aber ein wenig über den wahren Spielverlauf hinweg. Schließlich gewannen die Gastgeberinnen vier Duelle in fünf Sätzen. „Das Match ­hätte genauso gut auch 4:4 ausgehen können“, betonte Thomas Bienert. Zudem hätte Marßels Nummer vier, Jessica Boy, ihren Einzelpunkt gegen Margit Jeremias auch mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit abgegeben. Sie lag gegen die Watenbütteler Nummer drei bereits mit 0:2 nach Sätzen und auch im dritten Abschnitt klar hinten, als Elina Vakhrusheva im Parallelspiel den Marßeler 8:0-Triumph gegen Joanna Jerominek perfekt machte. Somit ging das zweite Einzel von Jessica Boy nicht in die Wertung ein.

Elina Vakhrusheva und Katarina Belopotocanova taten sich in ihrem Doppel gegen Joanna Jerominek und Annette Blazek ­lange Zeit sehr schwer. Nachdem das Marßeler Duo die ersten beiden Durchgänge deutlich verloren hatte, führten die Gäste auch im dritten mit 5:2. Dann nahm Thomas Bienert eine Auszeit. „Ich habe den beiden gesagt, dass sie mit längeren Bällen operieren sollen“, informierte der Coach. Mit den fortan längeren Bällen brachte das Spitzendoppel den Gegner mehr zum Laufen und drehte den Spieß deshalb noch um.

Jennifer Bienert und Klara Bruns blickten in ihrem Doppel gegen Watenbüttels Margit Jeremias und Sarah-Christin Behrens auf einen 1:2-Satzrückstand. „Im vierten Satz haben Jenni und Klara dann aber starke Nerven gezeigt“, freute sich Thomas Bienert. Somit ging auch dieses Doppel am Ende nach der vollen Länge an das Heimteam. „Dadurch wirkten die Watenbüttelerinnen ein wenig angezählt“, berichtete Bienert. Elina Vakhrusheva sowie Katarina Belopotocanova hatten aber auch in ihren Einzeln am Anfang ein paar Probleme.

„Dann haben sie es aber besser hinbekommen“, teilte Thomas Bienert mit. Seine Tochter Jennifer setzte in den Einzeln aus. Klara Bruns kam zu Beginn ihres Einzels mit sehr aggressiven Spiel von Margit Jeremias nur schwer zurecht. Mit ihren auf beiden Seiten sehr kurzen Noppen dominierte Jermias den ersten Abschnitt. Bruns fand zunächst keine adäquate Antwort auf die harten und glatten Schläge der Watenbütte­lerin. „Jeremias ist mit ihrer kurzen Doppelnoppe eine sehr unangenehme Gegnerin“, gab Thomas Bienert zu bedenken.

Doch nach und nach übernahm Klara Bruns mit ihren Top-Spinn-Bällen das Kommando und drängte ihre Konkurrentin von der Platte weg. „Das war letztlich ausschlaggebend für Klaras Sieg“, erklärte der SG-Übungsleiter. Im nächsten Heimspiel gegen den Vierten VfL Tegel am Sonnabend um 15 Uhr werde es aber viel schwerer, ließ Bienert wissen.

SG Marßel – TSV Watenbüttel 8:0: Vakhrusheva/Belopotocanova – Jerominek/Blazek 3:2 (2:11, 6:11, 11:8, 14:12, 11:8); Bienert/Bruns – Jeremias/Behrens 3:2 (6:11, 11:6, 5:11, 11:8, 11:7); Vakhrusheva – Blazek 3:0 (11:9, 11:5, 11:6); Belopotocanova – Jerominek 3:2 (9:11, 11:8, 14:12, 8:11, 12:10); Boy – Behrens 3:0 (11:8, 11:9, 11:6), Bruns – Jeremias 3:2 (6:11, 11:7, 11:7, 7:11, 11:5); Vakhrusheva – Jerominek 3:1 (11:8, 11:6, 9:11, 11:5); Belopotocanova – Blazek 3:1 (11:8, 11:7, 8:11, 11:9) KH

Aus "Die Norddeutsche" vom 13.11.2017

Tischtennis-Spielerinnen der SG Marßel nach Siegen in Penzlau und Eberswalde nun Tabellenzweite

Marßel.„Überraschend gut“ lautete das Fazit von Teamchef Thomas Bienert nach den beiden Auswärtsspielen des Tischtennis-Regionalligisten SG Marßel in Brandenburg. Seine Damenriege fertigte zunächst den Aufsteiger ESV Prenzlau mit 8:2 und dann den TTC Finow-GEWO Eberswalde mit 8:3 ab. Damit belegen die Marßelerinnen den zweiten Platz.

Die Marßelerin Jennifer Bienert (links) ist konstanter in ihren Leistungen geworden./ Foto:C.Kosak

ESV Prenzlau – SG Marßel 2:8: In den ersten drei Spielen hatte der Aufsteiger glatt gewonnen. Gegen die starke SGM bekam der Eisenbahner Sportverein aus der Uckermark dagegen kein Rad auf die Schiene und konnte nur zwei von zehn Partien für sich entscheiden. Wobei der Sieg von Julia Bütow/Wencke Dietz im zweiten Doppel gegen das SGM-Duo Elina Vakhrusheva/Katarina Belopotocanova denkbar knapp ausfiel (3:2).

Nur Prenzlaus Nummer drei, Julia Bütow, gelang mit dem 3:1 gegen Marßel Nummer vier, Klara Bruns, ein entspannter Heimauftritt. In den anderen acht Spielen gab das Nordteam den Ton an. Dabei war die Rechnung von Marßels Teammanager Bienert zunächst nicht ganz aufgegangen. Er hatte auf einen guten Start mit zwei Punkten in den Doppeln gehofft. Doch seine im oberen Paarkreuz platzierten Spitzenspielerinnen Elina Vakhrusheva und Katarina Belopotocanova mussten sich nach einer 2:0-Führung noch 2:3 geschlagen geben. Besser machten es Jennifer Bienert und Klar Bruns gegen Prenzlaus Top-Spielerinnen Lydia Lautenschläger und Ann-Marie Dahms. Nachdem beide Duos jeweils zwei Sätze gewonnen hatten, setzten sich die Marßelerinnen im fünften Satz mit 11:5 durch. In den Einzeln wurde dann deutlich, dass die Ukrainerin Vekhrusheva und die Slowakin Belopotocanova das Marßeler Team verstärkt haben.

Steigerung bei Jennifer Bienert

Zudem ist vor allem Jennifer Bienert konstanter in ihren Leistungen geworden. Am Sonnabend konnte die Tochter von Thomas Bienert gleich drei Siege feiern: im Doppel an der Seite von Klara Bruns sowie in den Einzeln gegen Wencke Dietz (3:1) und Julia Bütow (3:0). Lydia Lautenschläger und Ann-Marie Dahms im oberen Prenzlauer Paarkreuz waren am Sonnabend gegen Marßels Spitzenspielerinnen chancenlos und verloren ihre Einzelduelle gegen Vakrhusheva und Belopotocanova glatt. Und Klara Bruns sorgte mit ihrem 3:2-Erfolg gegen Wencke Dietz für den SGM-Auswärtssieg.

TTCFinow-GEWO Eberswalde – SG Marßel 3:8: Zwei Stunden und zwölf Minuten benötigte das SGM-Quartett, um im rund 100 Kilometer von Prenzlau entfernten Eberswald die nächsten Punkte einzusacken. Zum Auftakt revanchierten sich Elina Vakhrusheva und Katarina Belopotocanova für ihre Doppel-Niederlage in Prenzlau mit einem Sieg über Carolin Mews/Claudia Petereit (3:1). Dagegen mussten sich Jennifer Bienert und Klara Bruns in drei umkämpften Sätzen 0:3 gegen Carolin Gragoll/Chi­ara Baltuis beugen. Die weiteren ­Heimsiege verbuchten Carolin Gragoll im Spitzeneinzel gegen Elina Vakhrusheva (3:2) sowie ­Petereit gegen Bruns (3:0). Dagegen erwischte Marßels Nummer zwei, Katarina Belopotocanova, einen Sahnetag. Nach ihrem Erfolg im Doppel ließ sie auch Eberswaldes Nummer eins, Carolin Gragoll, beim 3:1 sowie der Nummer zwei Carolin Mews, beim 3:0 keine Chance. Beide SGM-Neuzugänge hätten gut eingeschlagen, lobt Bienert, der sich auch von Klara Bruns Fünfsatzsieg gegen Chiara Baltus angetan zeigte. Zuvor hatte Vakhrusheva kurzen Prozess mit Carolin Mews gemacht (3:0), während Jennifer Bienert sich gegen Claudia Petereit (3:1) und mit 3:0 gegen Ciara Baltus behauptete – dann gewann Vakhrusheva gegen Baltus.

ESV Prenzlau – SG Marßel 2:8: Lautenschläger/Dahms – Bienert/Bruns 2:3 (9:11, 11:8, 8:11, 12:10, 6:11); Bütow/Dietz – Vakhrusheva/Bolopotocabova 3:2 (12:14, 3:11, 11:6, 11:9, 11:5); Lautenschläger – Belopotocanova 1:3 (7:11, 11:7, 10:12, 8:11); Dahms – Vakhrusheva 1:3 (7:11, 11:6, 7:11, 10:12); Bütow – Bruns 3:1 (5:11, 11:6, 11:7, 11:5); Dietz – Bienert 1:3 (6:11, 6:11, 12:10, 4:11); Lautenschläger – Vakhrusheva 1:3 (11:6, 4:11, 8:11, 10:12); Dahms – Belopotocanova 0:3 (9:11, 8:11, 8:11); Bütow – Bienert 0:3 (7:11, 6:11, 4:11); Dietz – Bruns 2:3 (7:11, 11:6, 11:9, 5:11, 9:11)

TTC Finow-GEWO Eberswalde – SG Marßel 3:8:Gragoll/Baltus – Bienert/Bruns 3:0 (11:6, 14:12, 11:9); Mews/Petereit – Vakhrusheva/Belopotocanova 1:3 (6:11, 11:4, 8:11, 9:11); Gragoll – Belopotocanova 1:3 (11:8, 15:17, 8:11, 9:11; Mews – Vakhrusheva 0:3 (9:11, 4:11, 8:11); Baltus – Bruns 2:3 (11:5, 13:15, 4:11, 11:2, 4:11); Petereit – Bienrt 1:3 (5:11, 9:11, 11:5, 9:11); Gragoll – Vakhrusheva 3:2 (11:5, 11:5, 4:11, 6:11, 11:6); Mews – Belopotocanova 0:3 (1:12, 5:11, 5:11); Baltus – Bienert 0:3 (7:11, 7:11, 10:12); Petereit – Bruns 3:0 (11:3, 12:10, 11:7); Baltus – Vakhrusheva 0:3 (7:11, 3:11, 5:11) GRU

Aus "Die Norddeutsche" vom 30.10.2017

Überraschungsparty für Werner Müller

Um die Verabschiedung von Werner Müller als Vorsitzenden der SG Marßel wurde im Vorfeld ein großes Geheimnis gemacht. Er sollte auf keinen Fall mitbekommen, dass man etwas plante. Vereinsmitglieder, Familienangehörige und langjährige Mitstreiter hielten dicht. Darum ging er relativ unbedarft am Montagabend in die Bezirkssportanlage, obwohl er ahnte, dass irgendeine Überraschung auf ihn wartete. Offiziell aber hatte ihn sein Sohn zum Essen eingeladen. In der Bezirkssportanlage der SG Marßel, die er 15 Jahre lang geführt hatte, gab es dann eine Überraschungsparty. Der Festausschuss und allen voran Andrea Addicks-Friedrich hatten Empfang und Party als Dankeschön und Würdigung seiner Leistungen für Verein und Ortsteil organisiert. An die 80 Wegbegleiter ließen es sich nicht nehmen, Werner Müller zu verabschieden. Auch Bürgerschaftspräsident Christian Weber und Jürgen Linke in seiner Funktion als Verbandsvorsitzender Fußball gehörten zu den Gästen.

Aus "Die Norddeutsche" vom 1.11.2017

Den Posten des Vorsitzenden der SG Marßel gibt er nach 15 Jahren ab – ehrenamtlich setzt er sich weiter für die Menschen im Stadtteil ein

Marßel. „Es muss etwas Neues passieren, neue Ideen müssen kommen“, begründet Werner Müller seinen Abschied als Vorsitzender der Sportgemeinschaft Marßel. Das hat er schon lange vorbereitet und auch immer gesagt: „Mit 75 Jahren höre ich auf“. Der Geburtstag war im August. Da er in ­Heiko Klaus Klepatz einen seiner Meinung sehr guten Nachfolger gefunden hat, bedauert er seine Entscheidung „kein bisschen“. Er will sich aber trotzdem weiter für seinen Verein und sein Marßel einsetzen, hat noch Visionen, wie er sagt. Nur die Verantwortung für den Verein und seine 700 Mitglieder möchte Müller nun abgeben.

Mit 75 Jahren verabschiedet sich Werner Müller als Vorsitzender der SG Marßel. / Foto:C.Kosak

15 Jahre lang war der gebürtige Hesse und ehemalige Personalchef auf der Hütte an einer ganzen Reihe von Veränderungen und Entwicklungen im Verein maßgeblich beteiligt. Auf sportlicher Ebene kamen immer mehr Sparten und auch Angebote und Projekte im gesundheitlichen Bereich ­hinzu, wie Gruppen für Diabetiker oder der Koronarsport. Unter Werner Müllers Führung wurde die Gesundheitsoffensive „GO Marßel 2020“ zu den Themen Bewegung, Ernährung, soziale Kontakte und Bildung entwickelt.

Das wurde zwar nicht ganz so angenommen, wie er es gern gesehen hätte. „Es ist uns nicht gelungen, die Bevölkerung so aktiv zu bewegen, wie wir es wollten“, sagt er. Wenn er aber sieht, dass sich in der Gruppe für Diabetiker ältere Menschen zusammengefunden haben, die dadurch wieder Kontakt zu anderen bekommen und Spaß haben, dann ist er durchaus zufrieden. „Einsamkeit ist die häufigste Krankheitsursache“, ist er überzeugt. Er lässt sich auch nach Fehlschlägen nicht beirren. Werner Müller hat immer noch die Vision, dass 1000 Leute durch Pellens Park laufen. Das war seine Idee im Rahmen des Gesundheitsprojektes. Dafür wird er sich auch weiter engagieren – und will auch selber mitlaufen.

Er möchte zudem auch nach seiner Zeit als Chef der SG Marßel weiterhin Projekte für Senioren sowie Kinder und Jugendliche entwickeln. Der Vereinschef hat ja erfahren, dass die Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen und anderen Kooperationspartnern gut funktioniert. Er ist der Meinung, dass besonders für die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil etwas getan werden muss. ­Darum ist „Lebele“, das steht für Leben, ­Bewegung, Lernen, sein Lieblingsprojekt. Den Namen, erzählt er lächelnd, mochte anfangs aber niemand, zumal er ihn zum Spaß auch noch hessisch ausgesprochen hatte.

Doch Frankfurt ist schon lange nicht mehr sein Zuhause. Das ist seit September 1967 Marßel. Damals begann er als Maschinenbauingenieur für technische ­Betriebsabläufe bei den Stahlwerken und machte schnell Karriere bis zum Personalchef. Werner und Trudi Müller haben zwar noch in Frankfurt geheiratet, nachdem sie aber eine Weile in Grambke gewohnt hatten, bezogen die beiden ein Haus in ihrer neuen Heimat Marßel. Seit 1974 wohnen sie hier.

Werner Müller erzählt, dass er lange Zeit nur als „Mann von Trudi“ bekannt war, weil sie sich in der SG Marßel in der Abteilung Turnen engagierte und auch 17 Jahre lang leitete. Er kam immer mit zu Veranstaltungen oder half aus, bekam Kontakte und rutschte auf diese Weise in die Vorstandsarbeit hinein. Erst als zweiter Vorsitzender, dann als Vorsitzender.

Als Chef der SG Marßel hat er die Ge­schicke des Stützpunktvereins für Integration und Sport auch durch stürmische Zeiten geführt. Die Brandstiftung 2007 in der Vereinsgaststätte und der Neubau der Bezirkssportanlage haben ihn Nerven gekostet. Ärger mit den Bremer Behörden und Zuständigkeiten, insolvente Handwerkerfirmen, Pfusch am Bau, verärgerte Vereinsmitglieder, denen das Chaos irgendwann nicht mehr zu vermitteln war, Verzögerungen – in der Zeit hatte Werner Müller eine ehrenamtliche Vollzeitstelle von 40 Stunden pro Woche. Jahre dauerte der Stress. 2011 aber wurde die neue Sportanlage an der Stader Landstraße eingeweiht, und es kehrte Frieden ein. „Es waren harte Kämpfe“, sagt er über die Auseinandersetzungen mit den Bremer Behörden um Ausführungen und Geld, „ich würde es aber immer wieder machen. Es war eine Herausforderung“.

Vor allem hat der Verein mit der modernen Sportanlage seitdem viel mehr Möglichkeiten, andere und neue Projekte zu ent­wickeln. Die wurden auch außerhalb des Ortsteils wahrgenommen. Zwei Mal erhielt der Verein den silbernen Stern und einmal den kleinen goldenen Stern des Sports für Projekte, die über das normale Breitensportprogramm hinaus nachhaltig gesellschaftlich etwas bewirken und einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Werner Müller schüttelte drei Bundespräsidenten bei der Verleihung die Hände. Besonders freute er sich aber, dass die damit verbundenen Geld­preise die Vereinskasse aufpolsterten. 1000 Euro gab es beispielsweise für die Gesundheitsoffensive „Go Marßel 2020“.

Als Vorsitzender der SG Marßel hat er mehr gemacht, als nur einen Sportverein zu leiten, in dem alle Generationen und viele unterschiedliche Nationalitäten einen Treffpunkt gefunden haben. „Man muss vor der Haustür gucken. Da gibt es genug zu tun“, spricht er die vielen gesellschaftlichen Probleme an, die heute Thema sind. Gerade in Marßel leben viele Alleinerziehende, 56 Prozent der rund 6500 Bewohner haben einen Migrationshintergrund, es gibt einsame ­Senioren und arme Kinder. „Das treibt mich um“, sagt Werner Müller.

Er hat mit anderen Mitstreitern unter anderem dafür gesorgt, dass an der Grundschule Landskronastraße von ehrenamtlichen Kräften ein gesundes Frühstück angeboten wird. Seit zehn Jahren werden die Lebensmittel aus Spenden bezahlt. Werner Müller ist Mitglied im Verein Nachbarschaftshaus Marßel, im Präventionsrat Bremen-Nord, im Forum Sport. Diese Aufgaben will er auch weiter wahrnehmen, es sei denn, der neue Vereinschef will sie selber übernehmen, um den Verein zu vertreten.

„Richtig sauer“ kann er werden, wenn er darauf zu sprechen kommt, dass Marßel aufgrund der Sanierungsmaßnahmen von früher inzwischen nur noch 10 000 Euro aus Win-Mitteln (Wohnen in Nachbarschaften) für Projekte im Stadtteil bekommt, die Quartierskoordinatorin nur wenige Stunden zur Verfügung hat und von politischer Seite seiner Meinung nach nichts Konstruktives für den Ortsteil passiert. „Das ist frustrierend“, meint er. Es fehle Nachhaltiges für Marßel. Er prophezeit, dass die Stimmung irgendwann umschlagen könnte. Marßel sei ein Pulverfass. „Es ist der Verdienst von uns allen, dass das bisher nicht passiert ist.“ Weil ihm der Ortsteil am Herzen liegt, wird er sich also nicht ins Privatleben zurückziehen, sondern sich ehrenamtlich weiter für die Menschen in Marßel einsetzen.

„Ich würde es immer wieder machen. Es war eine Herausforderung.“ Werner Müller

Aus "Die Norddeutsche" vom 20.11.2017